24.04.2013 von Jana Wessel

Wie die digitale Zukunft aussehen soll

Eine von TNS Infratest durchgeführte, internationale Zukunftsstudie zu digitalen Technologien verdeutlicht, wie sich Anwender die digitale Welt von übermorgen vorstellen. Die Wünsche und Erwartungen in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Medien und E-Government sind dabei sehr konkret und realistisch.

Der unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützte Münchner Kreis hat die Zukunftsstudie bereits im sechsten Jahr in Folge erstellen lassen. TNS Infratest befragte dafür in einer internetbasierten Erhebung insgesamt 7.278 regelmäßige Internetnutzer in den Ländern Deutschland, USA, Brasilien, China, Südkorea und Indien.

Ergründen wollten die Zukunftsforscher, welche Veränderungen oder Verbesserungen die Menschen rund um den Globus durch den rasanten Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnik langfristig erwarten. Dabei wurde deutlich, dass die Befragten vielfach recht genaue Vorstellungen von den Möglichkeiten digitaler Technologien und Anwendungen haben, die es künftig einmal geben soll. Träume von fliegenden Autos oder Reisen in der Zeitmaschine gehören demnach der Vergangenheit an.

So wünschen sich 22 Prozent der Befragten in allen Ländern und über alle Altersgruppen hinweg einen immer und überall verfügbaren Zugang zu ihren Arbeitsmitteln sowie deren intuitive und personalisierte Nutzbarkeit. Social Media wird auch innerhalb der Unternehmen wichtiger: 21 Prozent möchten ihre beruflichen Erfahrungen stärker persönlich austauschen und wünschen sich bessere Möglichkeiten der Mitgestaltung. Auch den Wunsch nach stressfreiem Arbeiten identifizierte TNS Infratest in allen Ländern.

Im internationalen Vergleich werden aber auch Gegensätze deutlich: So wünschen sich in Deutschland nur 26 Prozent der Befragten eine stärkere Trennung zwischen Berufs- und Privatleben, während sich in Indien fast doppelt so viele Menschen (49 Prozent) danach sehnen. Mehr als jeder dritte Inder (38 Prozent) wünscht sich einen beruflichen Neustart, wohingegen in Deutschland nur 22 Prozent darüber nachdenken. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Beruf ist aber nicht gleichbedeutend mit Zufriedenheit bei der Arbeitsstelle: 55 Prozent der Deutschen haben zumindest einmal eine neue Stelle angefangen.

Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg offenbart die Befragung eine große Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Datenmissbrauchs. Das sorgt jedoch nicht für allgemeine Technik-Feindlichkeit: Die Befragten wünschen sich eine intelligente, selbstbestimmte Mediennutzung mit einem ortsunabhängigen Zugang, individuell relevante Informationen und interaktive Kommunikationsmöglichkeiten.

Insgesamt sind die Deutschen in Sachen Technik aber eher konservativ eingestellt. So können sich hierzulande beispielsweise nur 16 Prozent vorstellen, Ausweisdokumente eines Tages auf dem Smartphone zu speichern, während etwa in China (65 Prozent der Befragten) und besonders in Indien (73 Prozent) eine deutlich andere Meinung darüber existiert.

Da Informations- und Kommunikationstechnologie in immer größerem Maße auch Einfluss auf Verkehr & Mobilität haben, wurden die Teilnehmer auch hierzu befragt. Dabei wurde deutlich, dass die Jugendlichen heute das Freiheitsgefühl des Individualverkehrs nicht mehr unbedingt mit einem eigenen Fortbewegungsmittel verbinden.

Dieser Trend wirkt sich bereits aus: Carsharing-Angebote werden immer beliebter. Besonders in Indien ist Carsharing bereits sehr weit verbreitet (60 Prozent der Befragten), während im „Autoland“ Deutschland bislang nur acht Prozent der Befragten solche Angebote nutzen. Mitfahrgemeinschaften nutzen hierzulande 25 Prozent, in Brasilien jedoch bereits 81 Prozent der Befragten.

Das Auto wird zwar nicht als Auslaufmodell gesehen, wohl aber dessen heutige Funktionalität. Der Traum vom PS-Boliden, mit dem man über den Highway brettert, scheint ausgeträumt. So stellen sich die Befragten für die Zukunft eher ein automatisch fahrendes Vehikel vor, das sein Ziel selbstständig findet und in stärkerem Maße als heute umweltgerecht ist. Dies impliziert auch andere Fahrzeugkonzepte als die heute gängigen Pkws.

Eines sollen künftig alle öffentlichen Verkehrsmittel, als auch das Automobil bieten: Eine zuverlässige, leistungsstarke drahtlose Internetverbindung. So soll während der Reise das Bedürfnis nach mehr Zeit für andere Aktivitäten besser bedient werden.

((Bildquelle: Gerd Altmann  / pixelio.de))


 

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