17.04.2012 von Tim Schmelcher

Social Media – gefällt mir!?

Man kann Facebook, Twitter & Co. lieben oder hassen. Lieben, weil diese „sozialen“ Dienste Menschen weltweit verbinden. Oder hassen, weil einige dieser Unternehmen in Sachen Datenschutz nicht gerade zu den Vorbildern zählen. Was man aber nicht machen kann, ist Facebook – oder andere Social Media-Angebote – einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. Manfred Leisenberg, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld, hat es kürzlich einmal in einem Vortrag auf den Punkt gebracht: „Sie können das Internet zwar ignorieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass es auch Sie vergisst“, meinte Leisenberg in Bezug auf das Web 2.0.

„Schon richtig, aber Facebook ist doch nur für die private Nutzung interessant“, könnte der Web 2.0-Ahnungslose darauf entgegnen. Stimmt bloß leider nicht: Gerade bei Facebook und dem Google-Gegenstück „Google +“ vermischen sich berufliche und private Elemente ganz gewaltig. Zwar kann man mit etwas Geduld und Spucke beide Dienste so konfigurieren, dass die Fotos vom letzten Urlaub nur bei engen Freunden, nicht aber beim Vorgesetzten auf dem Bildschirm landen. Doch das eigene Unternehmen gänzlich aus sozialen Netzen heraus zu halten, ist bestenfalls dann möglich, wenn man keine Kunden hat. Früher oder später wird irgendjemand auf Facebook, auf Xing, StudiVZ – um nur einige, populäre Dienste zu nennen – ein paar Sätze darüber posten, dass sie oder er sich bei ihrem Unternehmen ganz besonders gut oder ganz besonders schlecht behandelt fühlte.

Zwar mögen Rechtsanwälte, Reparaturwerkstätten oder Restaurants in Sachen Bewertungen stärker in der „Schusslinie“ stehen als manch andere Mittelständler, die vielleicht mit Stahlrohren, Software oder Seifenlauge ihr Geschäft machen, aber grundsätzlich muss jedes noch so Internet-abstinente Unternehmen damit rechnen, auf einer Web 2.0-Plattform genannt zu werden. Natürlich wird niemand etwas dagegen haben, solange es sich um Lobeshymnen handelt. Doch was tun, wenn dort zu lesen ist, wie unfreundlich und unfair ihre Firma ist? Der Gang zum Anwalt ist zwar zulässig, kann aber unter dem Strich den Schaden noch vergrößern: Womöglich wird erst nach dem Versenden einer Unterlassungserklärung aus der Mücke ein Elefant – die Web 2.0-Gemeinde wird aufmerksam und bevor man sich versieht, wird ihr Fall in unzähligen Foren diskutiert. Im Extremfall findet sich die Geschichte zwei Tage später in der „Tagesschau“ wieder.

Für klüger halte ich deshalb die aktive Auseinandersetzung mit Social Media. Ein Unternehmer, der auf Facebook oder ähnlichen Plattformen viele „Freunde“ zählt oder dessen Firma viele „Gefällt mir“-Klicks gesammelt hat, kann auf dort geübte Kritik anders reagieren als ein in sozialen Netzwerken gar nicht existierender Betrieb. Klar regeln muss man firmenintern natürlich, was über das Unternehmen auf Social Media-Seiten geschrieben werden darf – und wer dafür zuständig ist. Jedem Mitarbeiter sollte bewusst sein, dass auf der virtuellen Pinnwand weder etwas darüber stehen darf, was das Unternehmen gerade neu entwickelt, noch dass der Chef gerade Streit mit seiner Gattin hat. „Social Media Policy“ heißt eine solche Vereinbarung auf neudeutsch. Kurzum: Der Umgang mit sozialen Medien ist längst so wichtig geworden, dass man es gleich richtig machen sollte.

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