17.08.2012 von Oliver Wasserkordt

Sagt eine Maschine zur anderen...

Machine-to-Machine-Kommunikation (kurz M2M) steht für den automatisierten Informationsaustausch zwischen Endgeräten wie Maschinen, Automaten, Fahrzeugen oder Containern untereinander oder mit einer zentralen Leitstelle. Jahrelang galt die Machine-to-Machine-Kommunikation als Nischenthema, doch zwischenzeitlich haben Marktforscher einmal nachgerechnet und festgestellt, dass es sich längst nicht mehr um eine kleine Nische handelt. So konstatierten die im schwedischen Göteburg ansässigen Analysten von Berg Insight, dass im vergangenen Jahr bereits 108 Millionen Maschinen weltweit in M2M-Lösungen eingebunden waren. Dieser Wert soll sich bis 2017 verdreifachen. Was sich die Maschinen zu erzählen haben, ist nicht wenig: Nach Einschätzung von Spezialisten bei Ericsson könnte die Datenmenge, die weltweit von Maschine zu Maschine ausgetauscht wird, binnen zehn Jahren die menschliche Mobil-Kommunikation überschreiten.

Auch die deutschen Berater von Steria Mummert Consulting in Hamburg haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt: Herausgefunden haben sie, dass das Marktvolumen für die Machine-to-Machine-Kommunikation alleine im kommenden Jahr um ein Drittel zunehmen wird. Und während die Berater einerseits hervorheben, dass das Spektrum der Möglichkeiten für M2M-Lösungen fast unbegrenzt ist und es sich durch alle Branchen und Industriezweige zieht, glauben sie andererseits an eine ganz besondere Dynamik durch die Automobilbranche. Dies liegt in der Tat auf der Hand, denn einer neuen EU-Vorschrift zufolge müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge ab 2015 mit einer so genannten Emergency-Call-Möglichkeit ausgestattet sein. Bei Unfällen kann das Fahrzeug dann selbsttätig Rettungsdienste alarmieren und Standortdaten übermitteln.

Spätestens dann wird das Thema M2M neben der industriellen Nutzung auch zum Otto Normalverbraucher vordringen. Die Berater glauben jedoch, dass die Technologie noch weitere, private Bereiche erobern wird. Denkbar seien hier etwa mobile Blutdruckmessgeräte oder auch Smartphones, die Pizzabestellungen direkt an den Restaurantcomputer melden. Nicht zuletzt wird die M2M-Kommunikation eine zunehmend wichtige Rolle im Bereich der Wohnungswirtschaft und bei der Energieversorgung spielen. Zählerstände lassen sich sich ganz problemlos maschinell übermitteln und auch die Heizungsanlage lässt sich so steuern. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob mit Hilfe solcher Lösungen das Leben wirklich erleichtert wird oder ob wir uns damit nicht auch immer stärker überwachen lassen. Zwei Aspekte sind allerdings noch echte Risikofaktoren, die Hemmnisse im M2M-Markt darstellen.

So weisen die Steria Mummert-Berater darauf hin, das bislang viele M2M-Lösungen über durchschnittlich zwei Jahre hinweg einzeln für jeden Endkunden entwickelt werden müssen. Jedes Telekommunikationsunternehmen betreue pro Monat etwa zehn Geschäftskunden mit jeweils individuellen Lösungen. Eine Standardisierung finde bisher kaum statt. Sie sei aber zumindest auf Ebene der Industrien wie Logistik oder Automotive notwendig, um nicht für jeden Kunden eines Bereichs eine individuelle Lösung akquirieren und bauen zu müssen.

Fest steht darüber hinaus, dass M2M eine leistungsfähige TK-Infrastruktur erfordert. Zwar fällt der durch M2M generierte Daten-Traffic für ein einzelnes Gerät im Vergleich zu einem menschlichen Computernutzer sehr klein aus, jedoch addieren sich die Datenpakete von eingesetzten Maschinen, die beständig Informationen untereinander und mit einer Zentralstelle austauschen, rasant. Damit wird auch der Bandbreitenbedarf zwischen Rechenzentren steigen. Netzbetreiber müssen sich folglich auf eine weiter stark steigende Nachfrage nach Bandbreite einstellen und ihre Netze entsprechend optimieren. Nur eine flexible, service-orientierte Infrastruktur wird den Anforderungen der M2M-Kommunikation langfristig Rechnung tragen können.

((Bildquelle: Hexe110  / pixelio.de))

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