09.07.2012 von Folker Lück

Plädoyer für Klartext

Englisch ist unangefochten die internationale (Handels-)Sprache schlechthin, daran gibt es nichts zu rütteln. Deutsch ist mit Englisch stark verwandt, das ist bekannt und komfortabel für deutsche Muttersprachler, da das Erlernen der „Schwestersprache“ relativ einfach ist. Die Verwandtschaft zwischen Deutsch und Englisch ist aber nicht immer eine glückliche Fügung: So halten immer mehr Anglizismen Einzug in die Sprache, die deutsche Begriffe ersetzen oder erst gar nicht entstehen lassen. Viel riskanter sind allerdings die „Misch-Vokabeln“, so genanntes Denglisch. Wer da nicht aufpasst, der kann seine angloamerikanischen Freunde ziemlich verwirren und sich selbst blamieren.

Lassen Sie uns vor dem Blick auf die gefährlichen, denglischen Begriffe erst einmal kurz die Anglizismen beleuchten. Dazu sei gesagt: In nahezu jede lebendige Sprache mischen sich Vokabeln aus aller Welt. Dass eine global verbreitete Landessprache wie Englisch hier besonders starken Einfluss hat, steht außer Frage. Freuen wir uns also über Anglizismen als Bereicherung und „Evolutionsschritt“! Gerade im technischen Bereich gibt es zum Teil gar kein entsprechendes Wort mit deutschen Wurzeln mehr – oder kennen Sie das hiesige Synonym für „Internet“? Am ehesten passt da wohl „Internetz“ oder „Weltweites Netzwerk“ – was aber beides nicht gebräuchlich ist. Ähnliches gilt für die E-Mail (Elektropost?), Server (Diener-Rechner?) oder für „online gehen“. Etwas vorsichtiger könnten wir im Geschäftsalltag mit dem Briefing umgehen, welches wir beim nächsten „Call“ unserem „Team“ geben. Man kann nämlich auch ganz wunderbar bei der nächsten Telefonkonferenz die Kollegen über die neuesten Entwicklungen informieren, ohne das es weh tut!

Sollten Sie angesichts dieser Vokabeln schon einen leichten Bauchschmerz verspüren, dann wird es Sie vielleicht trösten, dass wir den Briten und Amerikanern ja auch unseren „Kindergarten“ vermacht haben, genau so wie die „bratwurst“, den „kletterschuh“ und neuerdings sogar das „fahrvergnuegen“. Eine multikulturelle Eigentümlichkeit der jüngeren Vergangenheit: Der „Döner“ wird inzwischen rund um den Globus nicht etwa als türkische, sondern als deutsche Spezialität angeboten.

Unnötig ist es, wenn die deutsche Sprache sinnvolle, eigene Worte bereit hält, aber unbedingt Fremd-Sprachbrocken verwendet werden müssen, damit es internationaler klingt: So weist hierzulande eine Kaufhaus-Beschilderung auf die Abteilungen „Dessous & Lingerie, Men’s Underwear & Nightwear, Kinder-Unterwäsche“ im dritten Obergeschoss hin. Da vermischen Marketing-Strategen gleich drei Sprachen und am Ende versteht niemand mehr etwas.

Schade auch, wenn im Businessbereich (ja, ich weiß, auch das ist ein Anglizismus) das Deutsche verdrängt wird: So manche Visitenkarte stellt das Gegenüber eines ganz normalen Mittelständlers ausschließlich als „CEO“ vor. Dass dieser Mensch den nicht minder ehrbaren Beruf des Geschäftsführers bekleidet, wird unterschlagen. Dies ist insbesondere dann etwas albern, wenn das Unternehmen 90 Prozent seines Umsatzes im Inland erwirtschaftet und die Geschäftspartner nahezu alle der hiesigen Sprache mächtig sind. Dabei würden wir bei einem „Geschäftsführer“ auf der Visitenkarte viel schneller begreifen, dass es sich hier nicht um den „Media Distribution Officer“ handelt, den Zeitungsboten.

Lassen Sie uns nun aber zur schlimmsten Stufe schreiten, dem Denglisch. Wenn englisch klingende Worte sich im Deutschen etablieren – und dann im Gespräch mit einem englischen Muttersprachler falsch verwendet werden, dann kann das peinlich werden. Hinlänglich bekannt ist zwischenzeitlich, dass weder Briten noch Amerikaner mit dem „Handy“ telefonieren, sondern mit dem „mobile“ oder „cell phone“.

Wird ein Brite aufgefordert, für den anstehenden Vortrag den „Beamer“ einzuschalten, wird er als Freund von Star-Trek vielleicht an „Beam me up, Scotty!“ denken, sonst aber nur Bahnhof verstehen. Er kennt nämlich nur einen „video projector“. Und teilt man dem gleichen Besucher mit, er möge am morgigen Galaabend doch bitte einen „Smoking“ anziehen, kann das auch zu Irritationen führen, denn das englische „Smoking jacket“ ist eine bequeme Hausjacke. Auch die Einladung eines Freundes von Übersee zum „Public Viewing“ könnte für einen makabren Scherz gehalten werden: Während wir uns auf ein spannendes Fußballspiel in geselliger Runde freuen, bereitet sich der Amerikaner nämlich auf eine Leichenschau vor. An diesen Beispielen sieht man, dass trotz der unbestreitbaren Nähe zwischen Deutsch und Englisch öfters als heute gelten sollte: Mischen impossible! Auch wenn Anglizismen im Berufsleben fast unvermeidlich sind, sollten wir die gefährlichsten Fettnäpfchen im Blick behalten.

 

((Bildquelle: Inessa Podushko / pixelio.de))

   

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