23.02.2012 von Folker Lück

Ohne Glasfaser funkt es nicht

Die heutigen GSM-Mobilfunknetze sind weit verbreitet und bieten mobile Telefonie in guter Qualität. Allerdings waren sie ursprünglich einmal für die Sprachübertragung konzipiert. Trotz mannigfaltiger Verbesserungen erreichen sie deshalb – rund 20 Jahre nach dem Start der ersten Netze - in Sachen Übertragungsgeschwindigkeit und –qualität langsam das Ende der Fahnenstange. Der Nachfolger des heutigen GSM-Mobilfunks heißt LTE (Long Term Evolution), er wird auch als Mobilfunk der vierten Generation oder kurz als 4G bezeichnet. Mit dem 4G-Mobilfunk können Anwender Breitbandgeschwindigkeit mobil nutzen.

Wer beispielsweise vom Notebook öfters einmal umfangreichere Texte, Tabellen und Bilder versenden oder empfangen muss, braucht keine Kaffeepause mehr einlegen. Mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde sind deutlich höhere Downloadraten als heute möglich. Insgesamt wird LTE ein Arbeiten wie bei sehr schnellen DSL-Anschlüssen ermöglichen. Selbst eine Videokonferenz mit glasklaren HD-Bildern und brillantem Ton ist dann – wohlgemerkt unterwegs -  kein Hexenwerk mehr.

In diesem Jahr werden Schritt für Schritt immer mehr Menschen von der neuen Technologie profitieren: Nachdem in Deutschland aufgrund gesetzlicher Vorgaben zuerst ländliche Regionen den neuen Mobilfunk erhalten haben, beginnt jetzt der Ausbau in den mittleren und großen Städten. Aktuell sind Köln, Düsseldorf und Frankfurt unter den zehn größten, deutschen Städten am weitesten mit LTE erschlossen. Neben den bereits erhältlichen LTE-Sticks für Notebooknutzer werden im Jahresverlauf auch Smartphones und Tablet-PC auf den Markt kommen, die das LTE-Tempo ausnutzen können.

Das künftige Breitbandtempo in Mobilfunknetzen verstärkt weiter das Nutzerinteresse an mobilen Endgeräten: Die Beliebtheit von Smartphones und Tablet-PC wird rasant zulegen. Und dies, obwohl das Marktforschungsunternehmen GfK erst kürzlich mitteilte, dass bereits im vergangenen Jahr der Absatz von Smartphones europaweit um 67 Prozent nach oben geschossen ist. Durch immer mehr schnelle Endgeräte wird – das liegt auf der Hand – auch die Datenübertragung in Mobilfunknetzen enorm anwachsen. So geht der US-Hersteller Cisco in einer aktuellen Untersuchung davon aus, dass der globale, mobile Datenverkehr bis 2016 um das Achtzehnfache zulegen wird. In Deutschland werde der mobile Datenverkehr im gleichen Zeitraum sogar um das 21-fache steigen, heißt es darin.

Wenn die Cisco-Prognose eintritt, dann werden 2016 jeden Monat fast 10,8 Exabyte Daten mobil übertragen. Ein Exabyte ist eine Trillion Byte, eine Eins mit 18 Nullen. Die jährliche, mobile Datenübertragung von 130 Exabyte entspräche dann dem Fassungsvermögen von 33 Milliarden DVDs. Fraglos übersteigen diese Zahlen das menschliche Vorstellungsvermögen.

Was bei den Berichten und Prognosen über den neuen 4G-Mobilfunk oft unter den Tisch fällt: Ohne leistungsfähige, terrestrische Glasfasernetze als Grundlage wäre die schnelle Übertragung in den 4G-Mobilfunknetzen nicht realisierbar! Die Funk-Übertragung findet schließlich nur zwischen den Mobilfunk-Basisstationen und den Endgeräten statt. Anders gesagt: Werden unsere Worte oder Daten mobil von Hamburg nach München gesendet, dann wird tatsächlich nur auf den ersten und letzten Metern gefunkt. Deshalb ist es auch im Mobility-Zeitalter von grundlegender Bedeutung, dass eine leistungsfähige, terrestrische Infrastruktur vorhanden ist. Die wachsenden Datenvolumen können dabei im Regelfall nur von modernen Glasfaserleitungen übertragen werden.

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