12.09.2013 von Jana Wessel

Mobility-Trend ungebrochen

„Nicht ohne mein Handy“ - dieser Satz gilt inzwischen für die meisten Menschen. Das Mobiltelefon ist längst ein Universalgerät und damit – beruflich und privat – zu unserem ständigen Begleiter avanciert.

Vor zwei Jahren verließen knapp zwei Drittel (62 Prozent) aller Handy-Besitzer ihr Zuhause nur mit ihrem Mobiltelefon, heute sind es schon drei Viertel (75 Prozent). 48 Millionen Bundesbürger haben ihr Handy ständig dabei. In der Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren sind es sogar 83 Prozent, bei den Senioren über 65 Jahren immerhin 58 Prozent. Das sind aktuelle Zahlen einer repräsentativen Umfrage, die im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom durchgeführt wurden.

Dabei ist aus dem praktischen Telefon für unterwegs längst eine Eier legende Wollmilchsau geworden. Es geht nicht mehr nur darum, unterwegs erreichbar zu sein, sondern seit dem 2007 begonnenen Siegeszug der Smartphones tragen wollen wir auch wissen, wo wir gerade sind, welches gute Restaurant in der Nähe ist und oder wie das Wetter morgen wird.

Das alles ist heute problemlos machbar – durch äußerst kompakte und leistungsfähige Hardware, durch hunderttausende, clevere Software-Apps und – nicht zuletzt – durch eine enorm leistungsfähige Breitband-Infrastruktur. Wer einmal in entlegene Regionen reist, der weiß: Ohne schnelles Internet ist das beste Smartphone nicht viel mehr als ein Telefon mit großem Bildschirm.

Die ständige Smartphone-Nutzung hat inzwischen große Auswirkungen auf unser Alltagsleben. Die aktuelle ARD-ZDF-Onlinestudie sagt, dass wir uns durchschnittlich 169 Minuten pro Tag im World Wide Web tummeln, 36 Minuten mehr als vor einem Jahr. Smartphone, Tablet und Co. treiben die Online-Nutzung unterwegs weiter an: Sie hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt – von 23 Prozent auf 41 Prozent. Zudem werden die mobilen Geräte immer beliebter: War beispielsweise ein Tablet 2012 erst in acht Prozent der Online-Haushalte anzutreffen, sind es 2013 bereits 19 Prozent. 5,3 internetfähige Geräte sind inzwischen in einem durchschnittlichen „Onlinehaushalt“ vorhanden.

Ob die sehr häufige, mobile Nutzung von Internetinhalten wirklich unseren Alltag erleichtert, oder damit womöglich eine moderne Sucht entstanden ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Laut ARD-ZDF-Onlinestudie wird das Internet mobil von jungen Menschen weit häufiger genutzt als von den Älteren. Wer studiert hat, ist unterwegs mehr als doppelt so oft online als ein Hauptschüler. Dennoch geben solche Zahlen wenig Auskunft darüber, ob wir nicht durch ständiges Online-Sein längst zu digitalen Sklaven geworden sind, die kaum mehr imstande sind, einer längeren Unterhaltung ohne den ständigen Blick auf das Smartphone beizuwohnen.

Deshalb gibt es auch Kritiker: Der Australier Alex Haigh beispielsweise hat die (Online-) Kampagne „Stop Phubbing“ initiiert. Der Begriff "Phubbing“ setzt sich aus den englischen Begriffe "phone" (Telefon) und "snubbing" (vor den Kopf stoßen) zusammen.

Smartphone-Junkies gibt es überall. In der Kneipe checken sie lieber die letzten Updates ihrer virtuellen Freunde, als mit realen Freunden oder Partnern zu reden. Auf Partys zücken sie mitten im Gespräch abrupt ihr Handy, lesen neue SMS, twittern oder fragen ihre E-Mails ab. Das sei unhöflich, meint Haigh. Der "Phubber“ brüskiere seine Mitmenschen, indem er ihnen signalisiere, dass ihm das persönliche Gespräch weit weniger bedeute als das, was er auf dem Display seines Smartphones lese.

Offenbar stößt die englischsprachige Kampagne auch hierzulande auf Resonanz. Mehr als jeder fünfte Surfer, der "Stop Phubbing“ ansteuert, kommt laut Webstatistikdienst Alexa aus Deutschland – kein Wunder. Immer mehr Bundesbürger besitzen ein Smartphone. Viele benutzen es überall und legen es laut Marktforschungsfirma Nielsen den ganzen Tag über kaum noch aus der Hand. "Phubbing“ hat deshalb mit Sicherheit auch hierzulande Konjunktur. Ebenso wichtig wie die Nutzung von Smartphone und Co. ist deshalb auch die Fähigkeit, die Geräte auch mal zur Seite zu legen oder auszuschalten.

(( Bildquelle: Foto: bloomua - Fotolia.com ))


 

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