28.01.2013 von Jana Wessel

Mit Tempo 350 ins Internet

Wir schreiben das Jahr 2025: Welche Leistung möchten Sie bei der Internet-Nutzung dann in Anspruch nehmen? Genau dieser Frage ist das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) nachgegangen. Im Rahmen eines Webinars, das der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) und das FTTH Council Europe kürzlich veranstalteten, erläuterten die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Untersuchung. Nicht zuletzt ging es dabei darum, welches Marktpotenzial superschnelle Breitband-Verbindungen haben werden.

Der Wissenschaftler Dr. Alessandro Monti verdeutlichte dabei, welche Geschwindigkeiten wir in etwas mehr als einer Dekade wohl nutzen können: „Datenübertragungs-Geschwindigkeiten der zukünftigen Breitbandanschlüsse werden sich zwischen 70 Megabit und 300 Megabit die Sekunde bewegen.“ Nach Einschätzung des Forschers wird dabei der – auch heute schon vereinzelt nutzbare - Wert von 60 Megabit pro Sekunde eher das Einstiegslevel ausmachen. High End-Anwender werden im Jahr 2025 allerdings Geschwindigkeiten bis zu 350 Megabit die Sekunde nutzen, glaubt das WIK. Ein wichtiger Unterschied zu heute: Diese Geschwindigkeiten werden künftig im Up- und Download gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Klar ist: Ein solcher Leistungsumfang ist mit heutigen DSL-Anschlüssen nicht erreichbar. Erforderlich sind Glasfaseranschlüsse, die mindestens den nächsten Verteiler erreichen, besser noch bis ins Haus gelegt sind. Die deutschen Netzbetreiber wollen und werden deshalb in den Technik-Ausbau investieren. „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eindrucksvoll, dass zukünftig sehr hohe Bedarfe an breitbandigem Internet in Deutschland existieren werden: Die Rede ist von einem Marktpotenzial von gut 45 Millionen Haushalten und Unternehmen mit Glasfaseranschluss – ein starkes Argument für Investitionen in Glasfasernetze“, meint Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO.

Neben den Prognosen zu künftigen Bandbreiten und Technologien analysierten die Wissenschaftler auch, wofür das Internet genutzt wird. Sieben Anwendungsbereiche haben sie dabei identifiziert: Cloud Computing, Media & Entertainment, Communication, Gaming, E-Health, E-Home und E-Facility, sowie Mobile Services. Darin integriert ist die „normale“ Internetnutzung wie E-Mails und News abrufen, sich in sozialen Netzwerken zu bewegen oder generell zu surfen.

Typisiert haben die Forscher zudem einzelne Nutzergruppen und deren tendenzielles Nutzverhalten. Die größten Zielgruppen von breitbandigen High Speed-Internetanschlüssen im Jahr 2025 werden demnach Trend-User und Digital Professionals sein. „Also diejenigen, die das Internet in den unterschiedlichsten Lebenssituationen nutzen und zum festen Bestandteil ihres Alltags machen“, erläuterte Monti. Digitale Outsider, die das Internet nicht oder nur sehr selten nutzen, wird es aber auch noch geben. Rund zehn Prozent der Bevölkerung rechnen die Forscher dieser Gruppe zu.

„Die Studie berücksichtigt ebenfalls das Business-To-Business-Umfeld (B2B), um einen Eindruck davon zu erhalten, wie die zukünftige Arbeitswelt aussehen und wie wichtig dabei Zugang zum hochbitratigen Internet sein wird. Die Untersuchung zeigte, welche Unternehmens-Formate – also große, kleine oder mittelständische Unternehmen – mit welcher Intensität breitbandiges Internet in welchem beruflichen Aufgabenfeld wahrscheinlich nutzen werden“, sagt Jan Schindler, Vorsitzender des Ausschusses für Marktinformationen bei FTTH Council Europe. Die Präsentation kann kostenlos von der Webseite des FTTH Council Europe heruntergeladen werden (in englischer Sprache).

Ob die deutschen Netzbetreiber ihre Breitbandangebote – wie von Industrie und Verbrauchern gewünscht - ausbauen können, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Vorprodukt-Preise der Ex-Monopolist Deutsche Telekom verlangen darf. Zu hohe Mietpreise bis zum Kabelverzweiger behindern den Breitbandausbau massiv.

 

((Bildquelle: A. Dreher / pixelio.de)

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