26.07.2012 von Jana Wessel

Kampf der Messe-Dinosaurier

Die Ende August (31. August bis 5. September 2012) stattfindende Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin ist ein echter Messe-Dinosaurier: Seit 1924 gibt es diese Veranstaltung. Immer wieder wurde die Schau totgesagt, doch jetzt schwimmt die Messe auf einer neuen Erfolgswelle.

Im vergangenen Jahr verbuchten die Berliner 238.000 Besucher, was im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von drei Prozent entsprach. Noch wichtiger: Der Anteil der Fachbesucher nahm um 12 Prozent auf 132.900 zu. Die Ausstellungsfläche wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 140.200 Quadratmeter.

Wo einst hauptsächlich Röhrenempfänger und Kopfhörer vorgestellt wurden, bildet die Messe inzwischen fast alles ab, was elektrisch betrieben wird und in einem Haushalt stehen kann. Das Spektrum reicht von Geschirrspülmaschinen und Toastern über Fernseher, Tablets, Ultrabooks bis hin zu Vernetzungslösungen im „Smart Home“. Die Ausstellungsfläche wird weiter wachsen und es ist gut möglich, dass am Ende wieder eine leicht gestiegene Besucherzahl vermeldet werden kann.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Auf eine ähnliche Erfolgsstory kann die CeBIT in Hannover in den letzten Jahren nicht verweisen. Die – nach wie vor weltgrößte – IT-Fachmesse konnte mit 339.000 Besuchern und rund 4.200 Ausstellern ihre Zahlen in diesem Frühjahr im Vergleich zu 2011 mit Müh’ und Not stabil halten. Durch einen Nahverkehrs- Streik dürften einige Tausend potenzielle Besucher ferngeblieben sein, sonst hätte man vielleicht auch hier von einem leichten Besucherplus sprechen können. Wer jedoch einmal ein paar Jahre zurück blickt, kommt kaum umhin, von einem Absturz zu sprechen: 2001 zählte die Messe noch rund 830.000 Besucher – Hannover platzte damals aus allen Nähten.

Natürlich muss man aufpassen, hier nicht Äpfel und Birnen zu vergleichen. Auch die IFA zählte einmal über 500.000 Besucher – 21 Jahre ist das her. So gesehen kann man auch hier zumindest von einem Einbruch sprechen. Und während es leicht ist, mit den neuesten Flachbildfernsehern, schicken Computern und jeder Menge Showprogramm Besuchermassen zu locken, müssen die CeBIT-Macher mit ihren eigenen, hohen Ansprüchen und starker Konkurrenz kämpfen. Ziel der CeBIT ist seit Jahren ein Spagat: Man will vorrangig ein top-seriöses Informationsprogramm rund um die wichtigsten Themen der IT und Telekommunikation anbieten, trotzdem als „Branchen-Event“ auch interessierte Laien – sprich: Schüler, Studenten, Otto Normalverbraucher – anlocken.

Global betrachtet setzen der Deutschen Messe bei diesem Vorhaben die jeweils kurz zuvor stattfindenden Messen CES in Las Vegas und Mobile World Congress in Barcelona kräftig zu. Einen ähnlichen Aderlass dürften aber auch die unzähligen Hausmessen und Roadshows verursachen, die sehr viele IT- und Telekommunikationsanbieter regelmäßig veranstalten. Ihre Zielgruppe, seien es professionelle Anwender, Fachhändler oder private Endverbraucher, können die Unternehmen dabei ganz gezielt und ohne lästige Konkurrenz adressieren. Dennoch bleibt der finanzielle und personelle Aufwand meist deutlich geringer als bei einer Teilnahme an der Hannoveraner Supermesse.

Die jüngsten, technischen Trends dürften bei den Niedersachsen für weiteres Bauchweh sorgen, während man sich in Berlin freuen kann: So bedeutet etwa die gesamte „Bring your own device“-Thematik, dass jetzt auch IT-Verantwortliche und Systemadministratoren einen guten Grund haben, sich in der Bundeshauptstadt die neuesten Produkte anzusehen. Schließlich muss man darüber informiert sein, mit welchen neuen Geräten die Angestellten demnächst via Home Office oder direkt an ihrem Schreibtisch das Firmennetzwerk strapazieren.

Technische Entwicklungen sorgen aber auch ausstellerseitig für mehr Interesse an Berlin: Seit Fernseher, PC, Notebooks, Tablets und Smartphones immer mehr als eine Art Ecosystem zusammenwachsen, interessieren sich auf einmal auch Netzwerkhersteller – bisher zuverlässige Stammgäste in Hannover – für die Consumer-Schau in Berlin. Und als ob diese Tendenz nicht schon deutlich genug wäre, kündigen nun auch einige IT-Distributoren - die auf Computertechnik und Telekommunikation spezialisierten Grossisten - ihre Teilnahme an der IFA an. Nicht nur jahreszeitlich bedingt steht der Berliner Messe-Dinosaurier derzeit ganz eindeutig auf der Sonnenseite.

((Bildquelle: IFA)

Neuen Kommentar schreiben

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.