26.04.2012 von Folker Lück

Die Fernbedienung unseres Lebens

Natürlich kennt das jeder von uns: Man liegt abends gemütlich zur Entspannung auf der Couch und zappt durch das TV-Angebot. Irgendwo läuft garantiert ein Spielfilm oder eine Serie, die unser Interesse findet. Aber das war gestern! 
In Riesenschritten hat ein anderes Gerät – sozusagen die Fernbedienung des 21. Jahrhunderts – unser Leben erobert: Das Smartphone! Jeder dritte Deutsche  besitzt inzwischen ein solches Gerät (34 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen ist es sogar jeder zweite (51 Prozent). Das ergab kürzlich eine repräsentative Umfrage im Auftrag des ITK-Branchenverbandes BITKOM.

Zu verdanken hat das Smartphone seinen Durchbruch zweifelsohne Apple, obwohl die kalifornische Obstfirma keineswegs der Erfinder des „intelligenten Handys“ war. Doch erst, nachdem vor fünf Jahren das erste iPhone auf den Markt kam, sind Smartphones nicht mehr ein Werkzeug für vielreisende Manager, sondern ein Alltagsgegenstand, der von Schülern, Berufstätigen und Senioren genutzt wird. Da fällt mir ein: Mein Patenkind wünscht sich so ein i-Ding zur Konfirmation. Das wäre vor wenigen Jahren noch ein Un-Ding gewesen!

Schon bald wird die Super-Fernbedienung übrigens noch mehr können als ohnehin schon. In seiner Existenz akut bedroht ist beispielweise das Portemonnaie – oder zumindest das Münzfach: Immer mehr Smartphones kommen jetzt nämlich mit eingebauten NFC-Chips in den Handel. NFC steht für Near Field Communication, was konkret bedeutet, dass man damit berührungslos Informationen über kurze Distanzen austauschen kann, ähnlich wie wir das bereits von bestimmten Chip- oder Magnetkarten kennen. Was das zur Folge haben wird? Ganz einfach: Wir werden bald in vielen Geschäften kontaktlos Bezahlen können. „Kontaktlos“ ist dabei ganz wörtlich gemeint: Sie brauchen dem Verkäufer keine knittrigen 5-Euro-Scheine oder Münzen mehr in die Hand drücken. Sparkassen und namhafte Kreditkartenunternehmen unterstützen die Technologie bereits. Außerdem schafft derzeit etwa ein Drittel der Handelsunternehmen die Voraussetzungen für die Bezahlung mittels NFC, beispielsweise die Douglas-Gruppe.

Nicht nur zur Fernbedienung, sondern geradezu zum „Schlüssel“ für viele Funktionen wird das Smartphone auch in unseren eigenen vier Wänden: So lässt sich mittels Handy-App die Heizung regulieren oder die Rollläden fahren auf Wunsch automatisch herunter. Da macht dann auf einmal sogar das Energiesparen Spaß. Auch Alarmanlagen kann man jetzt mittels App konfigurieren und steuern – was bereits im November 2011 international für Schlagzeilen sorgte: Damals entdeckte ein Australier während seines Urlaubs auf Mauritius via App einen Einbrecher in seinem Haus in Sydney. Er alarmierte sofort die Polizei in der australischen Stadt. Der Dieb konnte daraufhin auf frischer Tat ertappt werden, obwohl der Eigenheimbesitzer 15 Flugstunden entfernt war.

Erneuert wird derzeit auch die gute, alte SMS-Funktion, die mit ihren 160 Zeichen-Nachrichten zweifelsohne ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert ist. Bedroht ist die Kurznachricht seit geraumer Zeit schon durch kostenfreie Datendienste wie „WhatsApp“, die fast jeder Smartphone-Nutzer installiert hat. Mit dem SMS-Nachfolger RCS-e sind die Nachrichten künftig zwar nicht mehr kurz, aber vielleicht wieder beliebter. RCS-e steht für Rich Communication Suite-enhanced. Verstehen sie nicht? Ich auch nicht! Möglich sind damit aber zum Beispiel Chats mit einer oder mehreren Personen gleichzeitig. Dateien wie Fotos oder Videos lassen sich per „Drag-and-Drop“ verschicken. Selbst Videochats sind bei dem SMS-Nachfolger auf Knopfdruck möglich. Brauchen Sie alles nicht? Wir sprechen uns in ein paar Jahren wieder, wenn sie mit ihren Kindern nur noch via RCS-e kommunizieren!

Nicht zuletzt wird die Fernbedienung unseres Lebens immer schneller. Nicht nur, genau wie beim klassischen Computer, durch immer mehr interne Rechenleistung. Sondern auch durch immer leistungsfähigere Netze. Ab diesem Jahr wird die 4. Mobilfunkgeneration namens LTE zunehmend auch in den deutschen Großstädten verfügbar sein. In Düsseldorf, Frankfurt am Main, München und Berlin wird derzeit das schnelle Mobilfunknetz ausgebaut. Bis zum Ende des Jahres soll LTE bereits in rund 300 Städten verfügbar sein. Nein, ich sage jetzt nicht, dass es dafür auch leistungsfähige Glasfasertechnik im Hintergrund braucht. Das wissen sie ja schon. Und wenn nicht, können Sie das hier an anderer Stelle fix nachlesen.

 

((Bildquelle: Günter Havlena  / pixelio.de))

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