10.10.2012 von Tim Schmelcher

DE-CIX - Kreuzung ohne rote Ampel

Kennen Sie eigentlich den DE-CIX? Nein, dies ist kein Kürzel einer Fluglinie und auch kein neuer, bedrohlicher Virus! Wir geben ja zu: Der DE-CIX ist wenig bekannt. Dennoch ist er aber die wahrscheinlich wichtigste Verkehrskreuzung in Mitteleuropa - und zwar gänzlich ohne rote Ampeln!

Der DE-CIX ist ein Internetknotenpunkt in Frankfurt am Main. Und zwar kein x-beliebiger, sondern derjenige mit dem derzeit größten Datendurchsatz weltweit. Mehr als 480 Internet Service Provider aus über 50 Ländern wickeln einen bedeutenden Teil ihres Internet-Traffics über den DE-CIX ab. Erst kürzlich wurde hier ein neuer Spitzenwert von zwei Terabit pro Sekunde erreicht. Das Verkehrsaufkommen an dieser Kreuzung kann man sich übrigens jederzeit ganz aktuell anschauen.

Der auch von Versatel genutzte DE-CIX sorgt dafür, dass Millionen Anwender in Mittel- und Osteuropa jederzeit Internet-Inhalte abrufen können. Weil dabei immer mehr multimedialer Content von Videoclips und Spielfilmen in High Definition-Qualtät über Online Games bis hin zu Cloud Computing hinzukommt, wächst das „Verkehrsaufkommen“ weitaus stärker als auf unseren realen Straßen. Aktuell werden in Frankfurt pro Tag 12 Petabyte Daten ausgetauscht. Was sich niedlich anhören mag – wer kennt schon Petabyte? - entspricht tatsächlich dem Volumen von 2,7 Millionen DVDs.

Der Geschäftsführer der DE-CIX Management GmbH Harald A. Summa geht dabei davon aus, dass trotz dieser schon heute kaum vorstellbaren Daten-Masse „kein Ende am Horizont“ zu sehen ist. Er prognostiziert, dass der Internet-Verkehr auch weiterhin um rund 80 Prozent pro Jahr zulegen wird.

Während beim „echten“ Straßen- und Wegenetz ein solcher Anstieg nur mit dem massiven Ausbau aller Verkehrsmittel und Wege beantwortet werden könnte, sieht man in Frankfurt dem massiven Wachstum recht gelassen entgegen. Ausgelegt sei die vorhandene Infrastruktur für einen maximalen Datendurchsatz von bis zu 40 Terabit pro Sekunde – derzeit sind somit noch sehr große Kapazitätsreserven vorhanden. Und selbstverständlich werde die Plattform ihren Anforderungen entsprechend weiterentwickelt, betonen die Betreiber.

Und wie zuverlässig funktioniert die Mega-Kreuzung? Pannen hat es zwar seit dem Betriebsstart im Jahr 1995 schon gegeben, aber richtig schwere Ausfälle noch nie. Dies hängt auch mit der dezentralen Infrastruktur zusammen: Der DE-CIX ist nicht an einem zentralen Standort untergebracht, sondern auf zwölf Rechenzentren verschiedener Betreiber im Frankfurter Stadtgebiet verteilt. Das Herz des DE-CIX bilden zwei sogenannte Core Switch Cluster, von denen das eine im aktiven Betrieb ist und das andere im Standby-Modus läuft. Kommt es hier zu einem Ausfall, sorgt der „Hot Standby“ dafür, dass innerhalb Millisekunden die andere Gerätschaft einspringt. Daneben gibt es redundante Netzteile, zwei unterschiedliche Stromkreise und getrennte Standorte im Westen und im Osten der Stadt Frankfurt. So schnell wird die Ampel an dieser Kreuzung also nicht auf „rot“ schalten.

((Bildquellen: DE-CIX und Dominik Pöpping  / pixelio.de))

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