24.09.2012 von Jana Wessel

Nach Hause telefonieren

Zwar gibt es trotz vielfältiger Technologien hierzulande noch immer Regionen, in denen die Bürger eine bescheidene Internetbandbreite von unter einem Mbit/s  bei Downloads und noch dürftigere Werte bei Uploads nutzen können. Gerade in Ballungsräumen sind heutzutage Downloads mit 16 Mbit/s aber durchaus der Standard. In einigen Regionen mit gutem Glasfaserausbau sind Geschwindigkeiten mit bis zu 100 Mbit/s möglich, auch die neue Mobilfunkgeneration LTE bietet stellenweise bereits ein gleichermaßen rasantes Tempo.

Anders sieht es aus, wenn man Daten ausschließlich über die Luft versendet. Dann muten auf einmal selbst die Bandbreiten in schwach besiedelten Regionen wie das Tempo auf der Autorennbahn an. Selbst, wenn wir zum Zeitpunkt der Apollo 11-Mission noch nicht geboren waren: Wir alle kennen heute die berühmten Worte des kürzlich verstorbenen Astronauten Neil Armstrong, der am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr morgens als erster Mensch auf dem Mond die berühmten Worte zur Erde funkte: „That's one small step for a man, one giant leap for mankind“. Zu Deutsch: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit.“

Übertragen wurden diese Daten auf speziell für die Apollo-Missionen eingerichteten Frequenzen mit Geschwindigkeiten zwischen 1,6 kBit/s (Kilobit pro Sekunde) und 51,2 kBit/s. Zum Vergleich: Als Mitte der 1990er Jahre das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, nutzten die meisten Anwender für die Internet-Einwahl Telefonmodems, die im analogen Telefonnetz eine Übertragungsrate von 14,4 kBit/s erreichten. Bei der Apollo-Mission mussten die Daten immerhin ganz ohne Kabel eine Entfernung von rund 380.000 Kilometern überwinden.

Als am 6. August 2012 um 07.31 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit nach rund neun Monaten Reisezeit das unbemannte Mars Science Laboratory auf dem Mars landete, hatte sich nicht nur die Kommunikationsgeschwindigkeit auf dem Heimatplaneten Erde im Vergleich zur Zeit der Apollo-Missionen rasant erhöht. Auch der Funk aus dem Weltall klappt heute vergleichsweise flott – wenn auch für irdische Verhältnisse noch recht gemächlich. Die Datenrate beim Senden vom „roten Planeten“ erfolgt mit bis zu 2 MBit/s, empfangen werden können bis zu 256 kBit/s. Die Übertragung erfolgt immerhin auf der enormen Entfernung von 55,6 bis 101,3 Millionen Kilometern, die Erde und Mars – je nach der Position der beiden Planten bei ihrer Umlaufbahn um die Sonne – voneinander entfernt sind. Der 900 Kilogramm schwere Mars-Rover Curiosity ist mit seiner Kommunikationstechnik an Bord in der Lage, pro Tag zwischen 19 bis 31 Megabyte Daten an die Erde zu übertragen. Jeder, der schon einmal Musik- oder Filmdateien heruntergeladen hat weiß, dass das wahrlich nicht viel ist.

So sehr sicherlich auch auf der Erde die Sprach- und Datenkommunikation noch verbessert werden kann, ist diese doch schon sehr viel weiter, als die extraterrestrische Kommunikation. Es ist zwar schon 30 Jahre her, als der Filmklassiker „E.T. – der Außerirdische“ in die Kinos kam. So anrührend es war, als der kleine Alien „nach Hause telefonieren“ wollte und die Verbindung mittels Glüh-Zeigefinger nicht klappte: Die drei Millionen Lichtjahre  zu seinem Heimatplaneten (ein Lichtjahr entspricht immerhin 9,5 Billionen Kilometern) könnten wir kommunikationstechnisch auch heute noch nicht überbrücken.

((Bildquelle: Rita Thielen / pixelio.de))

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